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    Pathologisches Institut

    Virchows zellularpathologische Synthese von Humoral- und Solidarpathologie

    Virchow beendete mit seinem Konzept der Zellularpathologie die Jahrtausende alte medizinische Kontroverse zwischen Humoral- und Solidarpathologie. Nach Art einer Hegelschen Synthese - der in Berlin lehrende Philosoph starb 8 Jahre bevor Virchow dort das Medizinstudium begann - fand er beide dialektisch aufgehoben in der Zellularpathologie, die postulierte, "daß sowohl in den Säften als in den festen Körperteilen nur die Zellen das Lebende ... sind". In seiner berühmten Erstpublikation über die Zellularpathologie (Archiv, Band 8, 1855) erläuterte er seine Synthese:

    "Das Leben residiert also nicht in den Säften als solchen, sondern nur in den zelligen Teilen derselben, und es sind nicht bloß aus dem Bereiche des Lebenden die zellenlosen Säfte, z.B. die Sekrete und Transsudate auszuschließen, sondern auch die Interzellularsubstanzen der zellenhaltigen, z.B. der Liquor sanguinis, das vielgerühmte Plasma des Blutes. Insofern die Zellen im Gegensatze zu den reinen Säften, immer noch etwas, wenn auch nur sehr bedingt Festes sind, stehen wir bei der Solidarpathologie. Allein nicht alles, was fest ist, kann als Sitz des Lebens betrachtet werden. Die festen Interzellularsubstanzen verhalten sich, wie die flüssige Interzellularsubstanz des Blutes. Man kann zugestehen, daß ihnen noch ein Rest lebendiger Wirkungsfähigkeit inhäriere, der ihnen von den Zellen, aus denen und durch sie sie hervorgegangen sind, geblieben ist, aber keine sichere Tatsche spricht dafür, daß dieser Rest groß genug ist, um sich ohne fortwährende Einwirkung von Zellen unversehrt zu erhalten oder um die Bewegung des Lebens weiter fortzusetzen oder zu übertragen. Sie sind höchstens imstande, in lebenden Teilen andere Richtungen des Lebens zu erregen. Unsere Solidarpathologie ist daher eine sehr beschränkte im Sinne der älteren Schulen und sie schließt nirgends die Humoralpathologie in ihrer geläuterten Form aus."