Intern
    Pathologisches Institut

    Sektionsgedicht: Inspektion

    Nach dieser Introduktion
    Beginn ich mit der Inspektion.
    Den Leichnam sollst du überblicken
    Nicht bloß von vorne, auch vom Rücken.
    Rasch wirst du dir darüber klar,
    Was männlich und was weiblich war.
    Dafür ja schon bei einem Kind
    Die Zeichen doch recht deutlich sind.

    Erröt´ nicht angesichts der Blöße,
    Nenn lieber schnell die Körpergröße,
    Sag, wie die Knochen sind gebaut
    Und wie beschaffen ist die Haut.

    Ob Anämie, Blutüberfluß,
    Ob Cyanose, Ikterus,
    Ob Flecken, ob ein Ausschlag da,
    Findst du etwas, diktier´ es ja!
    Weißt du nicht sicher: Ist das Schmutz?
    Mit einem Schwamm darüber putz´!
    Darfst Narben, Wunden nicht vergessen,
    Hast sie vielmehr genau zu messen.

    Entdeckst du eine Tätowierung,
    Dient dir´s wohl gar zur Orientierung,
    Wes Geistes Kind der Mensch gewesen:
    Aus solchen Zeichen läßt sich lesen!
    Denn ließ mit einer Balleteuse
    In ihres vollen Busens Blöße
    Sich einer seinen Thorax schmücken,
    Läßt´s tief in puncto puncli blicken.

    Ödem, Geschwülste und dergleichen,
    Beim Weib der Schwangerschaften Zeichen,
    Beim Kind zumal den Nabelstand
    Diktiere laut und recht gewandt.

    Und gründlich kannst du ohne Hasten
    Den Leichnam unterdes betasten.
    Du hast selbst schöner Brüste wegen,
    Dich dabei niemals aufzuregen.
    Weh, wenn da Arges unterliefe!
    Nein, reinen Sinnes einfach prüfe
    Fettpolster und Muskulatur!
    Die Thoraxform, des Bauchs Figur,
    Ob eingesunken, aufgetrieben,
    Wird auch in´s Protokoll geschrieben,
    Desgleichen die Asymmetrieen.
    Drauf prüf´ in Hüftgelenk und Knieen,
    Am Arm, der Totenstarre Stärke,
    Dann greif´ zum Messer – auf zum Werke!

    Beim Werke, das wir jetzt beginnen,
    Stellt mancher sich so tapsig an,
    Scheint mancher manchmal so von Sinnen,
    Daß der es nur begreifen kann,
    Der selber im Amphitheater
    Gestanden ohne Notberater.
    So hab´ auch ich einst mitgemacht,
    So wurd´ auch ich einst ausgelacht.
    Doch seht, mit meinem guten Herzen
    Möcht´ ich euch sparen solche Schmerzen.
    Ich mach´, ist´s auch nach Tag und Jahr,
    Ein alt´ Versprechen doch noch wahr;
    Ich hoff´, daß niemand drüber muckt,
    Erscheint es schwarz auf weiß gedruckt!

     

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