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    Pathologisches Institut

    Die Gründung des Lehrstuhls für Pathologie der Universität Würzburg im Jahre 1845

    Daß 1845 in Würzburg der zweite Lehrstuhl für anatomische Pathologie im deutschsprachigen Raum gegründet wurde - Wien hatte unter Führung von Karl Rokitansky (1804-78), des damals berühmtesten Pathologen, ein Jahr vorher den Anfang gemacht - war kein Zufall. Vielmehr handelte es sich um den logischen Abschluß einer zielführenden Vorgeschichte, in der sich zwei unterschiedliche Entwicklungslinien gegenseitig förderten und verstärkten: die alte, fürstbischöfliche Bestattungstradition, welche die Bevölkerung mit der anatomischen Zergliderungskunst des menschlichen Körpers vertraut gemacht hatte, sowie die aufstrebende klinische Medizin, in der sich lokalisatorische Konzepte für die Krankheitsentstehung durchsetzten.

    Geburtswehen: Da Anatomie und Pathologie zu Beginn des 19. Jahrhunderts noch vereint waren, führten die Bestrebungen der jungen Pathologen nach mehr Selbständigkeit zu Spannungen mit der alten Mutter Anatomie, die sich damals viel mehr für vergleichende Anatomie und Entwicklungsgeschichte interessierte. Symptomatisch dafür waren die klinischen Prosektoren wie z.B. Franz Caspar Hesselbach, der sich lange Jahre mit dem Anatomieordinarius Iganz Döllinger um die Verteilung der Zuständigkeiten stritt und ihm 1811 die Vorlesung über Pathologie abnahm. Unter Hesselbachs Nachfolger als Prosektor, seinem Sohn Adam, ging der Konflikt mit den Anatomen weiter.

    Die in Würzburg vor allem von den Klinikern unter wesentlicher Beteilung von Schönlein und Rinecker forcierte Entwicklung zur Institutionalisierung der Pathologie als eigenständiges Fach gelangte 1845 ans Ziel, nachdem der Widerstand der Anatomie, unter deren Obhut die "pathologische Anatomie" bisher ein abhängiges Dasein gefristet hatte, gebrochen worden war. Insbesondere hatte sich der seinerzeitige Anatomieordinarius Martin Münz (1779-1849) gegen die drohende und 1845 dann erfolgende Abspaltung und Verselbständigung der Pathologie von seinem Fach nach Kräften gesträubt.

    In der medizinischen Fakultät stand er jedoch gegenüber den an der Pathologie interessierten Klinikern auf verlorenem Post. Der Dekan der medizinischen Fakultät, Marcus, begründete den Wunsch seiner Kollegen nach einer selbständigen Pathologie wie folgt:

    "Unter den einzelnen Zweigen der medizinischen Wissenschaft hat sich im Lauf der Zeit besonders die pathologische Anatomie zu einer solchen Vollständigkeit erweitert, daß sie nicht mehr als ein einzelner Zweig der Anatomie im allgemeinen erscheint, sondern durch ihre Selbständigkeit und durch ihren mächtigen Einfluß auf die praktische Medizin alle Kräfte eines Mannes in Anspruch nimmt ...".

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