Intern
    Pathologisches Institut

    Methoden

    Zur Diagnostik bedient sich die Pathologie einer Reihe von Methoden. Im Zentrum steht nach der makroskopischen Betrachtung die mikroskopische Untersuchung; entsprechend ist das Mikroskop das Hauptarbeitsgerät des Pathologen. Ist jedoch eine sichere und vollständige Beurteilung mit üblicher Mikroskopie nicht möglich - was häufig vorkommt - stehen eine Reihe von diagnostischen Spezialtechniken zur Verfügung (Immunhistologie, Molekularpathologie, Elektronenmikroskopie).

    Histopathologie

    Die Histologie bildet den Schwerpunkt der diagnostischen Tätigkeit eines pathologischen Instituts. Untersucht werden Gewebeproben mit intakten Zellverbänden. Damit können nicht nur die Merkmale einzelner Zellen, sondern auch die ihrer Organisation zu Zellverbänden (histologische Merkmale) diagnostisch beurteilt werden. Insbesondere in der Krebsdiagnostik ist die Histopathologie allen anderen Diagnoseverfahren überlegen.

    Nach der Art des übersandten Materials lässt sich zwischen Biopsaten (zu diagnostischen Zwecken entnommene Gewebeproben) und Resektaten (Operationspräparaten) unterscheiden, welche beide histopathologisch untersucht werden. Einen diagnostischen Sonderfall bilden die Schnellschnitte.

    Die histologische Beurteilung des eingesandten Materials durch den Pathologen am Mikroskop erfordert sog. "Schnitte". Deren komplizierte Herstellung erfolgt im histologischen Labor durch spezialisiertes Personal. Unter den zahlreichen histotechnischen Varianten hat sich als pathologische Routinemethode die Hämatoxylin-Eosin-Färbung von formalin-fixiertem, paraffin-eingebettetem Gewebe etabliert. Trotz Automatisierung wesentlicher Teilschritte (vor allem Entwässerung, Einparaffinierung und Färbung) bleibt dabei viel manuelle Tätigkeit. Besonderes Geschick erfordert die Herstellung ultrafeiner Schnitte am Mikrotom und deren Aufziehung auf Objektträger.

    Hat die klinische, meistens bildgebende Diagnostik eine suspekte Organveränderung entdeckt, ohne deren Natur vollständig aufklären zu können, entnimmt der Kliniker häufig eine Gewebeprobe, um sie zur feingeweblichen mikroskopischen Diagnostik in die Pathologie zu schicken. Die Biopsieentnahme – bei soliden Organen wie Leber, Niere, Prostata in Form der Nadelbiopsie, im Magen-Darm oder Urogenitalkanal endoskopisch als Zangenbiopsie, in der Gebärmutter als Curettage - erfolgt überwiegend im Verlauf der Diagnostik vor Einleitung der Therapie; sie wird jedoch auch nach Therapieabschluß zur Erfolgs- bzw. Verlaufskontrolle sowie in manchen Fällen intraoperativ, d. h. im Verlauf einer Operation, vorgenommen (Schnellschnittdiagnostik).

    Im Pathologischen Institut werden eingegangene Biopsate wegen ihrer Kleinheit meistens vollständig eingebettet (vgl. Histotechnik). Jedoch setzt eine korrekte histopathologische Diagnose die Anwesentheit der suspekten Veränderung (z. B. von Tumorgewebe) im Biopsat voraus. Hat der Kliniker „danebenbiopsiert“, bekommt der Pathologe den Krankheitsprozess nicht unter das Mikroskop.

    Operativ entferntes Gewebe - z. B. Tumoren, Organe oder Teile davon - wandert nach medizinischer Übereinkunft grundsätzlich zur histologischen Untersuchung in das Pathologische Institut. Dort beginnt seine Aufarbeitung mit seiner makroskopischen Inspektion und Beschreibung. Anschließend werden charakteristische oder besonders suspekte Gewebsstücke herausgeschnitten und für die mikroskopische Untersuchung histotechnisch präpariert.

    Insbesondere bei der histologischen Untersuchung von Tumoren geht es nicht nur um die eigentliche Diagnose (Art des Tumors, gut- oder bösartig?), sondern darüberhinaus um die detaillierte Erfassung ihrer Besonderheiten, vor allem:

    • Tumorausdehnung (Beschränkung aus das Ursprungsorgan oder Überschreiten der Organgrenzen mit Infiltration des umgebenden Gewebes?)
    • Lymphknotenbefall
    • Metastasierung (Fernmetastasen kann der Pathologe selbstverständlich nicht sehen, wohl aber Tumorzellabsiedelungen in lokale, im Operationspräparat enthaltene Lymphknoten)
    • Vollständigkeit der Tumoroperation (Entfernung im gesunden Gewebe, Abstand des Tumors zu den Resektaträndern)
    • Therapie- und prognoserelevante Parameter: dazu zählen vor allem Tumormarker, Proliferationsstatus (üblicherweise immunhistochemisch bestimmt mittels Ki67), Rezeptorstatus (obligat z. B. beim Mammakarzinom)

    Diese detailiierte Charakterisierung des Tumors erleichtert dem behandelnden Arzt die Einschätzung seiner Prognose sowie Entscheidungen über die weitere Therapie des Patienten (z. B. Nachoperation, Bestrahlung, Chemotherapie, adjuvante Therapie).

    Zytopathologie

    Die Zytopathologie - die kleine Schwester der Histopathologie - ist eine mikroskopische Methode hauptsächlich zur Tumordiagnostik (Krebs) mittels einzelner Zellen, welche zu diesem Zweck aus verschiedenen Regionen bzw. Organen des Körpers entnommen, auf einem Glasobjektträger ausgestrichen und gefärbt werden, bevor sie ein Pathologe unter dem Mikroskop begutachtet.

    Zytologisches Untersuchungsmaterial besteht – im Unterschied zu histologischem – aus einzelnen, aus ihrem Gewebeverband herausgelösten Zellen bzw. kleinen Zellverbänden. Ähnlich wie der Kliniker bei Biopsien am lebenden Patienten Gewebeproben zu diagnostischen Zwecken gezielt aus bestimmten Körperregionen bzw. -Organen gewinnt, kann er auch zellhaltiges Material entnehmen und in die Pathologie zur zytologischen Diagnostik einsenden. Dabei ist das zytologische Untersuchungsspektrum fast so weit wie das der Biopsien, d. h. Zellmaterial lässt sich aus zahlreichen Körperregionen und Organen entnehmen. Quantitativ im Vordergrund steht die Abstrichzytologie des Muttermunds zur Früherkennung des Gebärmutterhalskrebses (Zervixkarzinom), doch auch anderes Material wie Sputum, Bronchialsekret, Urin, Ergussflüssigkeit (Pleuraerguss, Aszites) und Punktate aus diversen Organen wie z. B. Schilddrüse und Lymphknoten wird häufig zytologisch untersucht. Nach der Art der häufigsten Materialgewinnung unterscheidet man zwischen Punktions- und Abstrichzytologie.

    Im Vergleich zur histologischen Untersuchung von Biopsaten besitzt die Zytologie Vorteile bei der Materialgewinnung, die - da überwiegend unblutig und schmerzfrei - den Patienten nicht oder nur wenig beeinträchtigt. Dem steht als hauptsächlicher Nachteil die Beschränkung der Beurteilung auf zytologische Kriterien (Eigenschaften von Einzelzellen) gegenüber, d. h. histologische Merkmale, wie Gewebestruktur und deren Zerstörung durch Tumorinvasion, stehen diagnostisch nicht zur Verfügung. Dies beschränkt auch die diagnostische Aussagekraft, so dass nicht selten zweifelhafte zytologische Befunde per Biopsie histologisch überprüft werden.

    Beiden Methoden gemeinsam ist die Abhängigkeit vom Vorhandensein diagnostischer Zellen im Untersuchungsgut: Ähnlich wie die histologische Diagnostik von Biopsien voraussetzt, dass suspekte Gewebeanteile im Biopsat vorliegen, steht und fällt die zytologische Diagnostik mit der Präsenz suspekter Zellen im Untersuchungsgut, was z. B. bei Punktaten von Höhlenergüssen nur bei vorherigem spontanen Abschilfern der fraglichen Zellen der Fall ist.

    Zytologische Nachuntersuchungen auf der Basis des eingesandten Materials sind meistens nicht oder nur eingeschränkt möglich wegen fehlender Paraffineinbettung. Dem steht jedoch die meist problemlose Gewinnung von frischem Untersuchungsmaterial gegenüber, im Gegensatz zu - weil auf einem invasiven Verfahren beruhend - Biopsien, die wiederum wegen ihrer regelmäßigen Paraffineinbettung Nachuntersuchungen am selben Material erlauben.

    Die Qualität der Einsendungen im zytologischen Labor differiert und hat einen entscheidenden Einfluss auf die Begutachtung. Wichtig ist neben einer korrekten Technik der Materialentnahme ein guter Erhaltungszustand der Zellen, der eine korrekte Fixation erfordert, wenn das Untersuchungsmaterial nicht unverzüglich auf kürzestem Weg in die Pathologie gebracht wird.

    Eine verbreitete Form der Gewinnung von Untersuchungsgut für zytologische Untersuchungen sind Punktionen, wobei zellhaltiges Material aus bestimmten Organen oder Hohlräumen durch gezielte Aspiration gewonnen wird.

    Hat z. B. die bildgebende Diagnostik einen Tumor eines inneren Organs nachgewiesen, lassen sich mittels Punktion dieses Tumors einige seiner Zellen mit dünnen Nadeln absaugen (aspirieren). Verbreitet ist dieses Verfahren bei Knoten bzw. Tumoren von Speicheldrüsen, Schilddrüsen, Prostata und Lymphknoten. Auch aus dem Knochenmark kann man Zellmaterial für die zytologische Begutachtung auf diese Weise gewinnen, desgleichen aus flüssigkeitshaltigen Körperhöhlen, wie z. B. Pleurahöhlen (bei Pleuraerguss), Peritonealhöhle (bei Aszites) sowie Rückenmarkskanal (Liquor). Zellhaltig sind diese Flüssigkeiten, weil aus der Wand der Hohlorgane ständig Zellen abschilfern. Dasselbe gilt für den Urogenitaltrakt, dessen abgeschilferte Zellen sich im Urin finden, der deshalb ebenfalls zytopathologisch untersucht wird.

    Im zytologischen Labor werden diese Flüssigkeiten zentrifugiert, wobei sich die enthaltenen Zellen im Sediment anreichern. Dieses wird anschließend, wie das Punktionsmaterial von soliden Organen (Knoten bzw. Tumoren) auf einem Glasobjektträger ausgestrichen, gefärbt und anschließend mikroskopisch untersucht, vor allem auf das Vorhandensein von Krebszellen.

    Bei dieser Variante der Gewinnung von Untersuchungsgut für die zytopathologische Diagnostik werden mittels Bürstchen oder Spateln Abstriche von Schleimhäuten gemacht, wobei oberflächliche bzw. bereits abgeschilferte Zellen von ihrer Unterlage abgelöst werden. Anwendbar ist das Verfahren bei nahezu allen Schleimhäuten, insbesondere von Mund, Speiseröhre, Magen-Darm-Trakt, Gallengängen, After, Bronchialsystem, Augen und vor allem Gebärmutterhals (Muttermund).

    Die mikroskopische Untersuchung von Abstrichen des Muttermundes (Zervix) ist das verbreitetste zytopathologische Verfahren überhaupt. Eingesetzt wird es in frauenärztlichen Vorsorgeuntersuchungen zur frühzeitigen Diagnose des Gebärmutterhalskrebses, früher eine der häufigsten Krebsformen der Frau. Seine Häufigkeit wurde durch die einfache und kostengünstige Methode deutlich reduziert, zurückzuführen auf die frühzeitige Erfassung von i. d. R. leicht behandelbaren Krebsvorstufen.

    Entwickelt wurde die Abstrichzytologie der Zervix durch den griechischen Pathologen George Papanicolaou (1883-1962), der nach seinem Medizinstudium in Athen anschließend 1910 in München an der Ludwig-Maximilians-Universität in Zoologie promoviert wurde, dann in die USA emigrierte und dort sein Verfahren erstmalig 1928 veröffentlichte. Nach ihrem Entdecker bezeichnet man die Abstrichzytologie der Zervix häufig auch kurz als Pap-Test.

    Neuropathologie

    Durchgeführt wird das gesamte diagnostische Spektrum neuropathologischer Untersuchungen, insbesondere

    • Autoptische Untersuchungen von Gehirn und Rückenmark
    • Schnellschnittdiagnostik (hauptsächlich von Hirntumoren)
    • Begutachtungen von Biopsien aus dem Bereich des zentralen Nervensystems
    • Zytologische Liquordiagnostik

    Immunhistochemie

    Die Immunhistochemie (IHC) ist eine Methode zur spezifischen Markierung von Proteinen mittels monoklonaler Antikörper (AK), die mit einem Detektionssystem kombiniert werden, so dass lichtmikroskopisch erkennbar wird, ob bzw. wo in diversen Zellarten und Geweben ein fragliches Protein vorhanden ist. Während der Einsatz der AK-Färbung anfänglich auf Frischmaterial beschränkt war, sind die gegenwärtig industriell produzierten AK paraffingängig und somit in der Routinediagnostik einsetzbar.

    Schon kurze Zeit nach ihren Aufkommen in den 80er Jahren des 20. Jhhs. wurde an der Würzburger Pathologie ein entspr. IHC-Labor eingerichtet, dessen Bedeutung für das Institut parallel zur Bedeutung der neuen Methode für die pathologische Diagnostik gewaltig angewachsen ist. Bei über 150 derzeit im Einsatz befindlichen Primärantikörpern werden momentan ca. 500 immunhistochemische Färbungen pro Tag durchgeführt, d. h. über 100.000 pro Jahr. Hauptanwendungsgebiete sind die Hämatopathologie mit dem Referenzzentrum für Lymphknotenpathologie mit einem Anteil von ca. 2/3 sämtlicher Färbungen sowie die Tumordiagnostik (Diagnose, Klassifizierung sowie Bestimmung von prognostischen sowie therapierelevanten Faktoren).

    Molekulargenetik

    Seit Aufkommen der Molekulargenetik bzw. -Pathologie im letzten Viertel des 20. Jahrhunderts hat die neue Methode im letzten Jahrzehnt in der pathologischen Diagnostik enorme Bedeutung gewonnen. Dies führte folgerichtig zur Einrichtung spezialisierter Labors, in der Würzburger Pathologie im Jahre 1998 (Link zum Labor). Seitdem wurde das Spektrum molekulargenetischer Untersuchungen kontinuierlich ausgeweitet. Methodisch basieren sie überwiegend auf der Polymerase-Ketten-Reaktion (PCR), Sequenziertechniken und Elektrophorese. Die junge Technik mit hohem Wachstumspotential verspricht, die pathologische Diagnostik insbesondere auf dem Gebiet der Tumoren in naher Zukunft zu revolutionieren.

    Entsprechend dem hämatologischen Schwerpunkt des Instituts stehen in der täglichen Routinediagnostik des Würzburger Labors molekulargenetische Untersuchungen zum Nachweis maligner Lymphome (z. B. Klonalitätsanalysen von Immunglobulinen und T-Zell-Rezeptoren) und anderer hämatologischer Neoplasien quantitativ im Vordergrund.

    FISH im Labor für Zytogenetik

    Im Vordergrund der Tätigkeit des zytogenetischen Labors - sowohl diagnostisch als auch wissenschaftlich - steht momentan eine Variante der molekularen Zytogenetik, die Fluoreszenz in-situ-Hybridierung (FISH). Damit lassen sich selektiv beliebige DNA-Sequenzen bzw. Gene in den Kernen von Zellen der untersuchten Gewebe (hauptsächlich Schnitte von Paraffin-Präparaten) nachweisen.

    FISH beruht auf der Paarung von komplementären Basen zweier Nukleinsäure-Stränge: von Sonde und Zielsequenz. Zum Nachweis bestimmter Gene bzw. chromosomaler Veränderungen im zu untersuchenden Gewebe wird dieses mit kommerziell erhältlichen "Sonden" (DNA-Stränge definierter Sequenz) kultiviert. Dank Markierung der Sonden mit fluoreszierenden Molekülen lassen sich anschließend im Fluoreszenz-Mikroskop DNA-Hybride (bestehend aus Sonde und Zielsequenz) in situ (d. h. direkt im untersuchten Gewebe) nachweisen. Dergestalt können sehr viel kleinere Chromosomendefekte nachgewiesen werden als in der klassischen Zytogenetik.

    FISH hat in der Zumorzytogenetik (Untersuchung des Genoms von Tumorzellen auf chromosomale Umbauten) große Bedeutung erlangt, sowohl in der Forschung, als auch diagnostisch, weil manche chromosomale Umbauten (z. B. Translokationen) bei bestimmten Tumorarten gehäuft auftreten, so z. B. das sog. Philadelphia-Chromosom bei der chronischen myeloischen Leukämie.

    Im zytogenetischen Labor des Pathologischen Instituts der Universität Würzburg dient FISH hauptsächlich der Differenzialdiagnostik von Non-Hodgkin-Lymphomen, deren zahlreiche, schwierig zu unterscheidende Untergruppen teilweise charakteristische genetische Veränderungen zeigen. Zur Zeit sind im Labor ca. 15-20 FISH-Sonden im Einsatz. Pro Woche erfolgen etwa 20-30 FISH-Untersuchungen, die jeweils 2-5 Tage in Anspruch nehmen.

    Bei der klassischen Zytogenetik werden nach Anzüchtung der zu untersuchenden Zellen sog. Metaphasenpräparate angefertigt, in denen sich die Chromosomen dank Kondensation gut darstellen und diagnostisch auswerten lassen (Bänderungsanalyse). Die Auswertung erfolgt computergestützt mittels besonderer Programme (wir benutzen die Software der Fa. Metasystems). Wegen ihres relativ großen Zeitbedarfs (Wochen) sowie der Beschränkung der Untersuchung auf grobe Strukturanomalien der Chromosemen wird diese Methode jedoch immer seltener eingesetzt.

    Schnellschnitt

    "Schnellschnitte" sind Schnellverfahren der feingeweblichen Diagnostik, die in weniger als 30 Minuten zu einer Begutachtung führen, während der Zeitbedarf für die übliche histologische Diagnostik ca. 1-2 Tage beträgt. Eingesetzt wird das Verfahren im Verlaufe von Operationen, wenn deren Fortgang von der feingeweblichen Diagnose abhängt, wobei es i. d. R. um Krebs geht. Entsprechend richtet der Operateur beim Schnellschnitt typischerweise eine der folgenden Fragen an den Pathologen:

    • Ist der schon vor der OP bekannte und zu entfernende Tumor gut- oder bösartig?
    • Nach der Tumorentfernung: Habe ich den Tumor vollständig entfernt, oder sind Reste im Körper verblieben?
    • Bei Metastasen (Absiedelungen): Stammen sie vom bekannten (operierten) Tumor oder von einem weiteren (unbekannten) Tumor?
    • Bei Organentnahme für Transplantation: Ist das Organ tumorfrei?

    Nach Entnahme der Gewebeprobe wird sie auf dem schnellsten Wege (per Bote oder Taxi) ins Pathologische Institut gebracht. Dort dauert die histotechnische Aufarbeitung und Begutachtung einer einzelnen Probe ca. 20 Minuten (bei mehreren Proben entspr. länger). Seinen Befund gibt der Pathologe per Telefon sofort an den OP durch.

    Anders als in der üblichen Histologie, wo man mit formalin-fixiertem, paraffin-eingebetteten Gewebe arbeitet, erfolgen Schnellschnitte an nativem, nicht eingebetteten Material. Im Schnellschnittlabor wird die Gewebeprobe zunächst vom Pathologen zugeschnitten und anschließend von MTAs histotechnisch präpariert (Auffrieren der Probe und Schneiden am Kryostaten, Aufziehen der Schnitte auf Objektträger und Schnellfärbung mit der histologischen Standardfärbung HE).

    Die folgende Beurteilung durch den Pathologen stellt an sein Können höhere Ansprüche als die übliche histologische Diagnostik, da ihm nur eine Färbung (HE) zur Verfügung steht (weitere würden zu lange dauern) und diese zudem qualitativ schlechter ist als in der Routine. Erschwerend wirken sich weiter aus die reduzierte Anzahl der Schnittte sowie deren Qualität. Trotzdem erreicht ein erfahrerer Pathologe in der Schnelldiagnostik eine Trefferquote von weit über 90 %.

    Am Institut für Pathologie der Universität Würzburg werden Schnellschnitte an zwei verschiedenen Orten durchgeführt: Zum einen in der Filiale im Zentrum für Operative Medizin (ZOM) für die dort angesiedelten Fächer (z. B. Chirurgie, Urologie), zum anderen im Haupthaus für die restlichen Einsender. Dazu zählen neben weiteren, operativ tätigen Universitätskliniken, wie z. B. Frauenklinik, HNO-Klinik, Zahn-Mund-Kieferchirurgie, vor allem die großen akademischen Lehrkrankenhäuser in Würzburg (Missionsärztliche Klinik und Juliusspital); darüber hinaus erreichen uns auch Schnellschnitteinsendungen von operativ tätigen, niedergelassenen Ärzten der Umgebung.

    Sektion

    Häufig wird die Pathologie immer noch in erster Linie mit Sektionen assoziiert. Dabei spielen diese mittlerweile in ihrem Arbeitsalltag eine untergeordnete Rolle. Dies liegt vor allem an der dramatischen Zunahme der Histopathologie, aber auch an der in den letzten Jahrzehnten stark rückläufigen Sektionsfrequenz. Ursächlich ist z. T. das mangelnde Interesse der Kliniker, die sich dank der enormen Fortschritte der apparativen Untersuchungsverfahren (z. B. Bildgebung) ihrer Diagnosen so sicher sind, dass ihnen eine sektionspathologische Überprüfung entbehrlich erscheint. Teilweise fehlt auch das Einverständnis der Angehörigen, obwohl Sektionen weder Aufbahrung noch Bestattung der Verstorbenen beeinträchtigen. Trotzdem hat die Sektion ihre traditionelle Rolle in der Qualitätskontrolle der klinischen Diagnostik nicht verloren.

    Unter den verschiedenen Sektionstypen (z. B. nach dem Bundesseuchengesetzt bei Verdacht auf eine meldepflichtige ansteckende Erkrankung oder versicherungsinduziert zur Klärung finanzieller Ansprüche) steht die sog. klinische Sektion bei weitem im Vordergrund. Bei ihr geht es um die Aufklärung von Todesursache und Erkrankungen des Verstorbenen. Im Gegensatz dazu gehören forensische Obduktionen, welche der Aufklärung einer Straftat (z. B. Mord) dienen, in den Zuständigkeitsbereich der Rechtsmedizin. Geographisch ist das pathologische Institut zuständig für die Durchführung von Sektionen nicht nur in Würzburg und Umgebung, sondern darüberhinaus in Krankenhäusern großer Teile Unterfrankens. Das Altersspektrum der Autopsien hat sich in den letzten Jahren verlagert, weg vom Ende der natürlichen Lebenspanne hin zu ihrem Anfang, d. h. in den Bereich der Totgeburten (prä- und perinatal). Auch bei diesen sog. fetalen Obduktionen geht es um die Aufklärung von Erkrankungen wie z. B. Fehlbildungen.

    Eine klinische Obduktion erfolgt auf schriftlichen Antrag (Formular) durch den verantwortlichen Arzt des Verstorbenen. Voraussetzung ist i. d. R. das Einverständnis der Angehörigen sowie eine natürliche Todesursache. Sofern keine erschwerende Umstände, wie z. B. Voroperationen mit starken Verwachsungen, vorliegen, dauert eine Autopsie bei Erwachsenen ca. 2-3 Stunden und erfolgt nach einem standardisierten Verfahren. Dabei wird nach Eröffnung von Brustkorb und Bauch zuerst das Herz entnommen, danach Lungen, Oberbauchorgane (Leber, Magen, Milz und Pankreas), Ausscheidungsorgane (Nieren mit Nebennieren, Blase) sowie Darm. Die Standardsektion schließt meistens mit der Eröffnung des Schädels. Der makroskopische Sektionsbefund wird anschließend durch die histologische Begutachtung der verschiedenen Organe ergänzt. Danach erfolgt die endgültige pathologische Begutachtung.

    Vor den sektionsprozeduralen Reformen Rudolf Virchows beschränkte sich der Pathologe bei Sektionen auf die den Kliniker interessierenden Aspekte. Aber erst ab ca. 1875, d. h. nach Durchsetzung der Reformen (u. a. Einführung der standardisierten Sektion, welche in fester Reihenfolge alle Organe des Körpers begutachtet), konnte die Leichenschau ihre enorme Bedeutung im Rahmen der Qualiltätskontrolle der damals noch primitiven medizinischen Diagnostik gewinnen. Nachdem über 100 Jahre später die enormen Forschritte der bildgebenden Diagnostik es dem Arzt erlauben, mit hoher Auflösung auch in die entferntesten Winkel der Körpers zu schauen, konzentriert sich der sezierende Pathologe wieder mehr auf die klinischen Vorgaben trotz Beibehaltung der standardisierten Vorgehensweise.

    Wandel und Entwicklung der pathologischen Diagnostik

    In Übereinstimmung mit ihren Ursprüngen - die Pathologie entwickelte sich als medizinische Fachdisziplin durch Spezialisierung auf Sektionen - wird sie auch heute noch häufig in erster Linie mit Obduktionen assoziiert. Diese spielen im Berufsalltag des Pathologen jedoch mittlerweile eine untergeordnete Rolle. Ihren Platz eingenommen hat Diagnostik im Rahmen der Krankenbehandlung, d. h. lebender Patienten. Der Pathologe untersucht dabei mikroskopisch Körpermaterial, das dem Patienten bei Operationen oder Biopsien bzw Punktionen (diagnostische Materialentnahmen) entnommen und ihm zur Diagnostik zugeschickt wird.

    Der Aufschwung der mikroskopischen Diagnostik begann Mitte des 20. Jahrhunderts und stellt die Obduktionen mittlerweile quantitativ dermaßen in den Schatten, dass auf 1 Obduktion etwa 100 bis 1.000 histologische und zytologische Untersuchungen kommen.

    Obwohl alle diagnostischen Methoden, insbesondere auch die Labormedizin sowie die bildgebenden Verfahren, in den letzten Jahrzehnten große Fortschritte erzielten, hat die im Zentrum der pathologischen Diagnostik stehende, mikroskopische Beurteilung von Biopsien in der Krankheitsdiagnostik an Bedeutung gewonnen, u. a. auch deshalb, weil moderne, häufig endoskopische, Verfahren, es ermöglichen, Gewebeproben zentimetergenau aus nahezu jedem Körperorgan zu entnehmen.

    Die naturgegebenen Beschränkungen der mikroskopischen Diagnostik an Hand konventionell (d. h. HE) gefärbter Schnitte wurden durch die Einführung der Immunhistochemie 1985 enorm erweitert, wobei es mit Hilfe monoklonaler Antikörper gelingt, differentialdiagnostisch wichtige Zellproteine anzufärben und damit mikroskopisch sichtbar zu machen. Ergänzt wird die Immunhistochemie durch ungefähr zeitgleich entwickelte, zytogenetische und insbesondere molekularbiologische Methoden (z. B. PCR, Gensequenzierung), welche den Nachweis pathologischer Veränderungen im Genom ermöglichen und eine nochmalige außergewöhnliche Ausweitung der diagnostischen Möglichkeiten der Pathologie erlauben bzw. versprechen.

    Im Zuge dieser Entwicklung ist die Pathologie mittlerweile weit über ihre Anfänge am Sektionstisch hinausgewachsen, obwohl die Durchführung von Obduktionen eine unverzichtbare Aufgaben des Pathologen geblieben ist.