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    Pathologisches Institut

    Studenten feiern Virchow mit Fackelzug, geschildert durch Virchows Schüler Ernst Haeckel

    Ernst Haeckel als Student mit Eltern

    Als Virchow 1852 einen attraktiv ausgestatteten Ruf der Universität Zürich ablehnte, dankten es ihm seine Würzburger Studenten mit einem Fackelzug und zwei großen Musikchören, worüber Virchows Schüler und späterer Assistent Erst Haeckel in einem Brief an seine Eltern vom 20. 1. 1853 berichtete:

    „Nun hätte ich Euch noch eine Hauptgeschichte zu erzählen, nämlich von dem großartigen solennen Fackelzug, den wir am Mittwoch, den 12. Januar, dem hochgefeierten Virchow dargebracht haben. Der Grund dazu war teils eine Anerkennung seiner ausgezeichneten wissenschaftlichen Wirksamkeit überhaupt, teils ein Dank dafür, daß er einen ehrenvollen Ruf nach Zürich (der ihm auch viel materielle Vorteile geboten hätte) nicht angenommen hatte. Vorher waren natürlich mehrere große Studentenversammlungen, in denen die Sache beraten und arrangiert wurde. Übrigens beteiligten sich nur 150 am Fackelzug; die meisten andern wollten nicht soviel Geld opfern. (Es kostete jeden 1,5 Gulden.) Wir hatten 2 große Musikchöre...

    Der Zug fiel übrigens ganz prächtig aus, denn die Umstände waren günstig: die Nacht stockfinster und ein frischer Wind, in dem die Flammen herrlich hin und her flatterten ... Zuerst wurde ein großer Ring gebildet und Gaudeamus igitur gesungen, und dann flogen mit einem Male alle 150 Fackeln hoch, hoch in die Luft und beschrieben, wie Raketen, eine schöne Parabel, worauf sie in weitem Bogen niederfielen ... Vor Virchows Haus standen wir fast eine Stunde. Es wurde eine Delegation, die in einer Kutsche fuhr, zu Virchow hineingeschickt, um ihm unsre Sympathien (die bei uns grade nicht sehr groß sind, obwohl ich seinen kalten, festen, fast starren Charakter sehr bewundre) auszudrücken; dann kam er heraus und hielt eine ziemlich lange Rede, voll edlem Selbstgefühl und Eifer für die Wissenschaft, der er ganz angehöre!“

    Nach dem Fackelzug feierten alle - Virchow inklusive - in einer Kneipe bis in die frühen Morgenstunden, was der berühmte Pathologe nicht ohne gewisse Folgen überstand. Sein Schüler Haeckel war wieder mit von der Partie und schilderte den fröhlich-zünftigen Commers seinen Eltern im selben Brief.

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