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    Virchow verkennt die Tuberkulose

    R. Virchow Anfang der 1850er Jahre in Würzburg

    Schon vor der Entdeckung des Erregers durch Robert Koch 1882 hatte Laennec zu Beginn des Jahrhunderts mit seiner, Tuberkel und Phthise zusammenfassenden Lehre den einheitlichen Charakter der tuberkulösen Pathologie erkannt. Virchow lehnte dieses Konzept ab. Für ihn blieb die Tuberkulose ausschließlich durch Knötchen charaktersiert. Davon säuberlich getrennt, sah er in der mit Eiter oder Nekrosen einhergehenden Phthise eine eigenständige Krankheitsentität.

    Virchow interpretierte den Tuberkel als primäre Zellproliferation und damit ähnlich wie einen Zelltumor. Tatsächlich war er überzeugt, daß Tuberkulose wie Karzinom das Ergebnis der Vermehrung ortsständiger Zellen sind, vor allem des Bindegewebes, welchem er bis zur Pluripotenz so ziemlich alles zutraute.

    Da Virchow die Tuberkulose mit dem Tuberkel als postulierter zentraler pathologischer Veränderung ausschließlich anatomisch-morphologisch charakterisierte, beruhte sein Fehlurteil offenbar auf einer einseitigen Überbewertung des mikroskopischen Befundes, dem gegenüber für ihn ätiologische Überlegungen, die letztlich mit dem Erregernachweis die Laennec´sche Auffassung bestätigten, keine Rolle spielten.

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