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    Pathologisches Institut

    Virchow untersucht die "Not im Spessart"

    Um die Jahrhundertmitte war die wirtschaftliche Situation in Deutschland relativ schlecht, besonders in Mittelgebirgen wie dem Spessart. Als dort im Winter 1851/52 Typhusfälle auftraten, sorgte sich die bayerische Regierung und beauftragte Virchow, der schon 1848 im Auftrag der preußischen Verwaltung das oberschlesische Notstandsgebiet bereist und darüber einen aufsehenerregenden Bericht verfaßt hatte, offiziell mit der Erkundung der Verhältnisse vor Ort.

    Also reiste der Pathologe im Februar 1852 mit einer ministeriellen Kommission im Schlepptau durch das bergige Waldland. Dabei legte er ein solches Tempo vor, daß ihm seine Münchener Begleiter kaum zu folgen vermochten. Nach 8 anstrengenden Tagen war die Expedition beendet. Seinen ausführlichen, 56 Druckseiten umfassenden Ergebnisbericht hatte der arbeitswütige Professor 2 Wochen später fertig. In für ihn typischer Weise begann er mit einer ausführlichen Einleitung über Geologie, Geschichte und Kultur, wobei er im Abschnitt über die lokale Dichtung sogar das Nibelungenlied streifte.

    Als Ursache der Notlage erkannte Virchow die schlechte Ernährungs- und Wohnsituation, die er in seinem Bericht eindringlich schilderte. Anders als seinerzeit in Oberschlesien traten demgegenüber spezifische Infektionen wie Typhus und Verwahrlosung als Ursache zurück, weswegen er die bayerische Regierung, die seinen Bericht mit gemischten Gefühlen erwartete, mit Kritik verschonte. Zu seiner Überraschung mußte er sogar konstatieren, daß trotz endemischen Hungers und verbreiteter Armut die Sterblichkeit in dem abgelegenen Waldgebirge geringer war als im vergleichsweise wohlhabenden Würzburg.

    Am Ende seines Berichts über die Not im Spessart wiederholte Virchow das Fazit seiner Erkundungsreise nach Oberschlesien 4 Jahre zuvor, das zu seiner sozialmedizinischen Grundüberzeugung wurde:

    Bildung, Wohlstand und Freiheit sind die einzigen Garantien für die dauerhafte Gesundheit eines Volkes.“

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