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    Pathologisches Institut

    Virchows Pathologievorlesung in Würzburg

    Prof. Virchow im Katheter beim Tabakschnupfen

    Virchows Würzburger Vorlesung über spezielle und pathologische Anatomie, die er 5-stündig jedes Wintersemester zu halten pflegte, ist durch insgesamt 14 Mitschriften und zahlreiche Beschreibungen gut überliefert.

    • Der Student Carl Gegenbaur - er schenkte der Physikalisch-Medizinischen Gesellschaft zu ihrer Gründung den Backenzahn eines fossilen Nashorns - dürfte mit seinem Eindruck repäsentativ für seine Kommilitonen gewesen sein: „Es war auch bei gespanntester Aufmerksamkeit nicht leicht, einem Vortrag Virchows zu folgen. Man sagte, er trüge unvorbereitet vor. Um so größer war unser Gewinn. So hatte ich keine Ursache, eine andere Universität zu besuchen.“
    • Der junge Ernst Haeckel berichtete, daß „alle älteren Studenten und Dr. med., welche jenen Kurs (Virchows) gehört haben, ihn für das beste Kolleg halten, das es hier gibt, mit einem Wort ganz entzückt davon sind“. Seine eigene Begeisterung kommt schön in der ausführlichen Vorlesungsschilderung eines Elternbriefes zum Ausdruck.

    Die Vorlesung war sehr breit angelegt und behandelte auch allgemeine medizinische Phänomene wie Bewußtsein und Schmerz, um sich dann im weiteren Verlauf auf die spezielle Pathologie zu konzentrieren. Die Mitschriften sind medizinhistorisch interessant, weil sie Virchows Auseinandersetzung mit der zeitgenössischen, noch durch naturphilosophisches Denken geprägten Medizin widerspiegeln und die schrittweise Entwicklung seiner eigenen Vorstellungen auf dem Wege zur Geburt der Zellularpathologie. Die Vorlesungen fanden anfänglich noch im alten Anatomiepavillon statt; nach der Fertigstellung des Neubaus ab 1853 dann im sog. Kollegiengebäude.

    Wegen seiner relativ hohen, wenig tragenden und klangarmen Stimme hatte der spätere Atheist das in frühen Jahren erwogene Berufsziel eines Pfarrers aufgegeben. Dagegen konnte er ungewöhnlich gut formulieren, was ihm in seinen Vorträgen sehr zugute kam, die als rasch, fließend und wortreich beschrieben werden, allerdings auch als etwas monoton. Um so abwechslungsreicher war dagegen ihr Inhalt: Was Virchow vortrug, war zum erheblichen Teil neu und erneuerte sich zudem Jahr für Jahr.

    Tempo und Anspruch von Virchows Vortrag verlangten vom Zuhörer volle Konzentration. Trotzdem haben ihm seine Studenten oft nicht zu folgen vermocht, zumal er im Rahmen seines fachmedizinischen Vortrags zu häufigen philosophischen Exkursionen neigte und sich wahlweise kritisch-witzige oder süffisant-sarkastische Randbemerkungen zu allen möglichen Themen erlaubte. Pausen entstanden nur gelegentlich, wenn sich der Meister eine Prise Schnupftabak gönnte.

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