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    Der Würzburger Chemiker Johann Scherer

    Johann Joseph Scherer (1814-1869) zählte um die Mitte des 19. Jahrhunderts mit Virchow und Kölliker - von Ernst Haeckel zusammen als das "Würzburger Kleeblatt" bezeichnet - zu den berühmtesten Forschern der medizinischen Fakultät. Von Hause aus Mediziner, hatte er bei Justus Liebig in Giessen von 1840-41 gearbeitet und war anschließend mit glänzender Empfehlung des Vaters der chemischen Wissenschaft in Deutschland als außerordentlicher Professor nach Würzburg gekommen. 1847 zum Ordinarius für organische Chemie in der medizinischen Fakultät ernannt, konzentrierte er sich in den folgenden 2 Jahrzehnten bis zu seinem Tod 1869 auf die klinische bzw. physiologische Chemie und erforschte den Zusammenhang der Chemie mit der medizinischen Praxis, was auch deutlich im Titel seines Hauptwerkes zum Ausdruck kommt: "Lehrbuch der Chemie mit besonderer Berücksichtigung der ärztlichen und pharmazeutischen Bedürfnisse."

    Für Virchow, der die noch stark naturphilosophisch geprägte deutsche Medizin auf eine empirisch-wissenschaftliche Grundlage stellen wollte, war der medizinisch kompetente Chemiker Scherer eine ideale Ergänzung, zumal Virchow schon vor seiner Würzburger Zeit in Berlin mit biochemischen Forschungen hervorgetreten war, wie z.B. zum Hämatoidin. Bei seiner Untersuchung des von ihm so genannten Amyloids hätte eine engere Zusammenarbeit mit Scherer ihn möglicherweise vor dem Irrtum bewahrt, im Amyloid, wie schon der gewählte Name sagt, eine stärkeartige Substanz zu sehen, galt Scherer doch zu recht als unumstrittener Meister der Proteinanalyse. Ihm gelang es als erstem, aus dem Hämoglobin mittels Schwefelsäure das Eisen abzutrennen und so die Gallenfarbstoffe (Bilirubin etc.) zu erhalten.

    Virchows Kooperation mit Scherer betraf vor allem die gemeinsame Herausgabe der "Jahresberichte über die Leistungen und Fortschritte in der gesamten Medizin", wobei Scherer naturgemäß die Redaktion der chemischen Beiträge oblag.

    In den Briefes des später berühmten Ernst Haeckel an die Eltern über sein Medizinstudium in Würzburg (1852-56) finden sich zu seinem Chemielehrer Scherer mehrere lobenswerte Passagen.

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