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    Pathologisches Institut

    Virchow 1849 Mitgründer der "Physikalisch-Medicinische Gesellschaft in Würzburg

    Virchows Visitenkarte (aus seiner Berliner Zeit)

    Sofort nach seiner Ankunft in Würzburg Ende November 1849 beteiligte sich Virchow an der auf Köllikers Initiative hin erfolgenden Gründung der „Physikalisch-Medicinischen Gesellschaft". Diese wählte den zugereisten Berliner sofort zum ersten Sekretär sowie in ihre Redaktionskommission, der die Publikation von Vorträgen und Forschungsergebnissen oblag. Dieser Tätigkeit widmete Virchow in der Folge einen Großteil seiner Arbeitskraft, weshalb sich die Gesellschaft erfolgreich entwickelte. 1849 von 23 Mitgliedern gegründet, stieg die Zahl ihrer (einheimischen und auswärtigen) Mitglieder bereits im folgenden Jahr auf 56 und 1851 auf 76. Ein Jahr später wurde Virchow in Anerkennung seiner Verdienste um die "Physiko-Medica" - in Köllikers Worten ihr "Spiritus und Repräsentant" - schließlich zum Vorsitzenden gewählt.

    Nicht weniger als die "Förderung der gesamten Medizin und Naturwissenschaften und Erforschung der naturhistorisch-medizinischen Verhältnisse in Franken" hatte sich die Gesellschaft vorgenommen. Sie verfolgte ihr Ziel mit wissenschaftlichen Vorträgen, Kommissionen - es gab ihrer fünf; Virchow leitete die statistisch-epidemiologische, Kölliker die zoologische - und Forschergruppen für aktuell auftauchende Fragen. In diesem Rahmen entstand u.a. Virchows Studie über den Kretinismus in Unterfranken.

    Die wissenschaftlichen Vorträge der "Physiko-Medica", zu denen auch Studenten Zutritt hatten, waren beliebt und gut besucht. Meistens fanden sie im 2-wöchigen Turnus samstagsabends in einem Hotelsaal von 18-21 Uhr statt. Dabei wurden alle Themen von naturwissenschaftlichem Interesse angesprochen. Ein Teilnehmer berichtete begeistert:

    Was mir besonders angenehm auffiel, war die ungeheure Gemütlichkeit und Zwanglosigkeit, mit der die Professoren sowohl untereinander als mit den anderen Leuten verkehrten, und von der man in Berlin, namentlich unter Professoren, keinen Begriff hat.“

    Virchow nutzte die "Physiko-Medica" nach Kräften zur Verbreitung seiner Erkenntnisse in Wort und besonders Schrift. So stammt denn auch schon der erste Beitrag ihrer publizierten „Verhandlungen“ aus seiner Feder. Neben ausführlichen Kasuistiken veröffentliche er in ihnen hauptsächlich die Resultate seiner speziellen pathologisch-anatomischen Studien zu einer Vielzahl von Forschungsthemen.

    Die "Physiko-Medica" war für alle Beteiligten ein voller Erfolg, nicht zuletzt für Virchow selbst und die Medizin bzw. Pathologie als Wissenschaft, was Albert Kölliker in seiner Laudatio auf Virchow nach dessen Rückgang nach Berlin 1856 treffend zum Ausdruck brachte.

    46 Jahre später erlebte die Gesellschaft ihre wissenschaftliche Sternstunde, als am Abend des 23. 1. 1896 - 6 Jahre vor Virchows Tod in Berlin - der Würzburger Physikprofessor Wilhelm Konrad Röntgen in einem Vortrag über die von ihm entdeckten Strahlen berichtete und dabei eine Röntgenaufnahme der Hand des Anatomen Kölliker anfertigte, desselben Kölliker, mit dem Virchow nach seiner Berufung an den Main die Gesellschaft gegründet und auf Erfolgskurs gebracht hatte.

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