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    Pathologisches Institut

    Friedrich v. Recklinghausen, Vorstand von 1865-1872

    • 1833: geb. in Gütersloh/Westfalen
    • ab 1852: Medizinstudium in Bonn, Würzburg, Berlin
    • 1855-56: Studium bei Virchow in Würzburg
    • 1858-64: Assistent bei Virchow in Berlin
    • 1864: Pathologieprof. in Königsberg ohne Habilitation
    • 1865: Ruf auf Pathologielehrstuhl in Würzburg
    • 1870: Freiwilliger im deutsch-französischen Krieg
    • 1871: Monographie über das Lymphgefäßsystem
    • 1872: Pathologieordinarius in Straßburg
    • 1877: Rektor der Straßburger Universität
    • 1882: Erstbeschreibung der Neurofibromatose
    • 1910: Tod im Alter von 77 Jahren

    Friedrich v. Recklinghausen (1833-1910) war bei Virchow in die pathologische Lehre gegangen, zunächst als Student in Würzburg, dann, von 1858-64, als Assistent in Berlin, nachdem er zuvor andere große Pathologiezentren, vor allem Wien und Paris, auf einer Fortbildungsreise besucht hatte. 

    Als er 32-jährig als Nachfolger Försters die Professur für Pathologie in Würzburg antrat - zuvor lehrte er das Fach 1/2 Jahr lang in Königsberg - war er schon berühmt, vor allem durch seine Untersuchungen zum Lymphgefäßsystem - der Titel seiner 1. Publikation lautete: "Die Lymphgefäße und ihre Beziehung zum Bindegewebe" - und zur Emigration der Blutleukozyten ins entzündliche Gewebe (Entdeckung der Wanderzellen), womit er bei seinem Lehrer Virchow auf wenig Gegenliebe stieß, der die "Eiterkörperchen" auch weiterhin auf eine lokale Zellvermehrung zurückführte. Schon Recklinghausens 1855 auf lateinisch verfaßte Dissertation handelte von Theorien der Pyämie.

    9 Jahre nach Virchows Abgang zur Charite auf den Pathologen-Chefsessel in Würzburg berufen (1865), war Recklinghausen dort der erste von drei nacheinander berufenen Virchow-Schülern (ihm folgten Klebs und Rindfleisch). Alle drei wurden, wie schon Virchow 1849, von Franz Rinecker nach Würzburg geholt, dem in Berufungsfragen besonders erfolgreichen Universitätsrektor. Ebenfalls wie Virchow, verließ auch Recklinghausen nach nur 7 erfolgreichen Jahren - so entdeckte er mykotische und bakterielle Metastasen, klärte definitiv die Herkunft der Eiterzellen und versammelte später berühmte Schüler um sich wie Ludwig Aschoff und M.B. Schmidt - 1872 die Würzburger Pathologie, um dem Ruf auf den lukrativ ausgestatteten Lehrstuhl von Straßburg zu folgen.

    Im Anschluß an den siegreichen Krieg 1870/71 über Frankreich, an dem Recklinghausen - wie viele berühmte deutsche Mediziner - als Freiwilliger teilnahm, war das Elsaß mit dem 1871 gegründeten Deutschen Reich wiedervereinigt und die Straßburger Universität neubegründet und als Aushängeschild der deutschen Kultur großzügig mit finanziellen Mitteln ausgestattet worden. Insofern war die Straßburger Pathologie für Recklinghausen außerordentlich attraktiv.

    In der Folge kamen viele Studenten aus dem In- und Ausland nach Straßburg zu Recklinghausens berühmten Pathologievorträgen und Sektionsdemonstrationen. Zur Vorbereitung auf ihre Pathologieprüfung, in der Recklinghausen die fachgerechte Durchführung einer Sektion verlangte, lernten sie ein Gedicht, welches ebenso korrekt wie amüsant den Ablauf einer Standardsektion beschreibt. Zu den bekanntesten Mitarbeitern seiner Straßburger Zeit zählen u.a. Langhans, Köster und Ponfick, der Gründer der deutschen Fachgesellschaft für Pathologie. 5 Jahre nach seiner Berufung wurde Recklinghausen in Straßburg 1877 Rektor der Universität, an der er den Höhepunkt seiner Karriere erlebte.

    1882 erschien seine klassische Publikation "Über die multiplen Fibrome der Haut und ihre Beziehung zu den multiplen Neuromen", in welcher er den nachher allgemein so genannten "Morbus Recklinghausen" (cafe-au-lait-Flecken sowie multiple Hautfibrome in Verbindung mit Tumoren der Nervenbahnen und fibrösen Knochenläsionen) detailliert an Hand der Autopsiebefunde zweier Patienten beschrieb. Die Arbeit erschien in der Festschrift zur Erinnerung an den 25. Jahrestag der Gründung des Pathologischen Instituts von Berlin und war seinem Lehrer Rudolf Virchow gewidmet.

    Recklinghausen starb 1910 im Alter von 77 Jahren nach unauffälligem Privatleben.

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