Eduard Rindfleisch, Vorstand von 1874-1906

  • 1836: geboren in Köthen/Sachsen-Anhalt
  • 1859-61: Assistent bei Virchow in Berlin
  • 1862: Habilitation in Breslau
  • 1862-65: Pathologieprofessur in Zürich
  • 1865-74: Pathologieordinariat in Bonn
  • 1867: Lehrbuch der pathol. Gewebelehre
  • 1874: Ruf nach Würzburg
  • 1878: Bezug des Institutsneubaus
  • 1883: "Elemente der Pathologie" publiziert
  • 1906: Emeritierung nach 32 Dienstjahren
  • Tod im Alter von 72 Jahren

Eduard Rindfleisch (1836-1908), der 6. Inhaber des Würzburger Lehrstuhls für Pathologie, amtierte mit bisher unübertroffenen 32 Dienstjahren länger als seine 5 Amtsvorgänger zusammen genommen. Seine Büste findet sich  im Institutsfoyer links neben dem Haupteingang. 

Nach Recklinghausen und Klebs war er der 3. Virchow-Schüler auf dem Chefsessel der Würzburger Pathologie. Für das Fach begeisterte ihn sein Lehrer während des Medizinstudiums in Würzburg und später in Berlin, wo er bei Virchow 1859 promovierte und anschließend in dessen neugegründetem Institut 2 Jahre als Assistent diente. Anschließend bewährte er sich als universitärer Pathologe in Breslau, Zürich und Bonn. Schon 1872 bei der Recklinghausen-Nachfolge in Würzburg stand Rindfleisch an 2. Stelle auf der Berufungsliste.1874 erfolgte dann der Ruf an das Institut, das er anschließend 3 Jahrzehnte bis ins nächste Jahrhundert führte.

Unter seiner Ägide wurde ein neues Gebäude in der Köllikerstraße bezogen, womit der alte Wunsch der Pathologie, Herr im eigenen Haus zu werden, endlich in Erfüllung ging. Dank Rindfleischs engagierter Beteiligung an der Planung bewährte sich der Neubau hervorragend.

Besondere Verdienste erwarb er sich als Lehrer und Pädagoge, sowohl im Hörsaal als auch als Schreibpult. Sein "Lehrbuch der pathologischen Gewebelehre" verdrängte das Werk eines früheren Würzburger Pathologieordinarius, August Förster, von der Bestsellerliste und entwickelte sich zum zeitgenössischen Standardwerk mit Übersetzungen ins englische und französische.

In der Forschung legte er den Schwerpunkt auf die Histologie. Erwähnenswert sind seine umfangreichen Untersuchungen zur Tuberkulose, wobei er vor Robert Kochs Nachweis des Tuberkel-Bazillus (1892) richtigerweise eine infektiöse Genese vermutete und den Begriff der "spezifischen Entzündung" prägte. Weniger Glück hatte er mit seinen Studien zu Knochenmark und Blutbildung, die nach seiner Ansicht mittels Kernausstoßung der Erythrozyten erfolgte. Von bleibender Bedeutung war wiederum die 1890 getroffene Abgrenzung des Myokardinfarktes von der Myokarditis.

"Metapathologisch" vertrat Rindfleisch die Auffassungen des Neovitalismus. Ähnlich wie sein Lehrer Virchow mit seinem Zellenstaat, leitete auch Rindfleisch politisch-moralische Postulate aus der Histologie als Gemeinschaft kooperierender Zellen ab. Während seiner Züricher Periode traf der Musikliebhaber Rindfleisch im Hause Wesendonck u.a. Friedrich Liszt und den von ihm musikalisch besonders geschätzten Richard Wagner.