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    Pathologisches Institut

    Virchows Karriere in Berlin vor 1848

    Jugendbildnis von Rudolf Virchow, wahrscheinlich aus der Zeit der Studienjahre in Berlin

    Nach Abschluß seines Medizinstudiums an der preußischen militärärztlichen Akademie (Pepiniere) in Berlin 1843 und - im selben Jahr - der erfolgreichen Verteidigung seiner in lateinisch verfaßten Dissertation zum Thema "de rheumate praesertim corneae" (über das Rhema, besonders der Kornea) hatte der erst 22-jährige Rudolf Virchow für zwei Jahre auf einer Assistenzarztstelle an der Charite gearbeitet. Unmittelbar danach begann sein steiler akademischer Aufstieg zum Olymp der Pathologie: nach dem Ausscheiden aus dem Militärdienst avancierte er 1846 zum Leiter der Prosektur der Charite, habilitierte sich im Folgejahr mit einer Arbeit über "de ossificatione pathologica" und gründete - ebenfalls noch 1847 - gemeinsam mit Benno Reinhardt das "Archiv für pathologische Anatomie und Physiologie und für klinische Medicin", ein Journal, das bis heute - unter leicht verändertem Namen - besteht und damit weltweit die älteste, ununterbrochen erscheinende Fachzeitschrift für Pathologie ist.

    Aber schon in diesen jungen Jahren war Rudolf Virchow kein enger Fachwissenschaftler, sondern blickte weit über den Tellerrand seiner Disziplin hinaus bis in das politische Tagesgeschehen, getreu seinem lebenslangen Motto, daß die Medizin eine soziale Wissenschaft sei und die Politik nichts weiter als "Medizin im Grossen".  Schon 1948 bekam er Gelegenheit, sein sozialmedizinisches Engagement unter Beweis zu stellen, und zwar als Mitglied einer vom zuständigen preußischen Minister berufenen Kommission, welche die Ursachen einer Typhus- bzw. Fleckfieberepidemie in Oberschlesien eruieren sollte. Virchow prangerte in seinem Untersuchungsbericht als entscheidende Ursache der Epidemie die vorherrschenden desolaten wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse an, wofür er die indolente staatliche Verwaltung verantwortlich machte.

    Als Virchow während seiner Feldstudien in Oberschlesien von den revolutionären Umtrieben in Berlin hörte, kehrte er am 10. März 1848 vorzeitig in die preußische Hauptstadt zurück, "um an den Bewegungen der Hauptstadt teilzunehmen", wie er im Brief an seinen Vater freimütig bekannte.

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