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    Pathologisches Institut

    Virchow auf dem Weg von Berlin nach Würzburg

    Jugendbildnis von Rudolf Virchow, wahrscheinlich aus der Zeit der Assistentenjahre in der Charite, gezeichnet und lithographiert von Pietsch

    Daß Rudolf Virchow für 7 Jahre (1849-1856) nach Würzburg kam, war nicht ganz freiwillig. An seinem bisherigen Wirkungskreis in  Berlin hatte er sich durch sein politisches Engagement während der Märzrevolution 1848 die Sympathien der Obrigkeit verscherzt, so daß er sich gezwungen sah, Preußen vorübergehend zu verlassen. Was zunächst wie ein herber Rückschlag imponierte, erwies sich im Rückblick als Glück im Unglück, in zweierlei Hinsicht.

    Zunächst war Virchows wissenschaftliche Karriere in Berlin 1848 gerade so weit fortgeschritten, daß er sich erfolgreich um eine Professur bewerben konnte. Nur vier Monate vor Beginn der Märzrevolution hatte er sich an der Charite habilitiert und anschließend die Zulassung zum Privatdozenten bekommen. Wären die politischen Unruhen auch nur ein Jahr früher ausgebrochen, hätte Virchows wissenschaftliche Karriere wahrscheinlich einen empfindlichen Dämpfer erhalten. So profitierte er von dem ungeheuren Tempo, das er seit Aufnahme seines Medizinstudiums Ende 1839 vorgelegt hatte: Promotion 1843, Habilitation 1847. 

    Glück hatte Virchow mit dem erzwungenen Wechsel nach Würzburg auch insofern, als er sich dadurch genötigt sah, seine politischen Neigungen, die 1848 seine wissenschaftlichen Interessen in den Hintergrund zu drängen drohten, vorübergehend aufzugeben und sich voll auf die Pathologie zu konzentrieren, denn vor ihm lag seine offenbar kreativste Lebensphase. Das Ergebnis, die sog. "7 fetten Jahre", machten den jungen Professor in der Medizin unsterblich. Nach Berlin zurückgekehrt, nutzte Virchow dann seine fachwissenschaftliche  Prominenz erfolgreich als Sprungbrett auf die große politische Bühne, welche der homo politicus nach 1848 für sieben zurückgezogene Jahre meiden mußte.

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