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    Pathologisches Institut

    Virchows Kontroverse mit der Wiener Schule, geschildert durch seinen Schüler Ernst Haeckel

    R. Virchow Anfang der 1850er Jahre in Würzburg

    Als Virchow 1856 seinen Assistenten Ernst Haeckel mit Publikationen in der "Wiener Medizinischen Wochenschrift" beauftragte, die naturgemäß dem Kreis um Rokitansky nahestand, reagierte die sog. "Jüngere Wiener Schule" gereizt.

    Virchow war gerade dabei, den bisher dominierenden Pathologen, Karl von Rokitansky (1804-1878) abzulösen. Dieser war Inhaber des in Wien 1844 eingerichteten, ersten pathologischen Lehrstuhls im deutschen Sprachraum (Würzburg gründete den zweiten nur ein Jahr später). Zusammen mit dem Kliniker Skoda und Dermatologen von Hebra gehörte Rokitansky zum führenden Dreigestirn der um die Jahrhundertmitte berühmten sog. jüngeren Wiener Schule. Der von ihm ausgeweitete pathologische Unterricht im Sektionssaal bewirkte mittelbar in den Wiener Frauenkliniken den dramatischen Anstieg des Kindbettfiebers, dessen Ätiologie schließlich Semmelweis aufklärte. Als Virchow, der die Mehrzahl seiner Arbeiten in selbst herausgegebenen Publikationsorganen veröffentlichte, seine pathologischen Vorstellungen auch in der "Wiener Medizinische Wochenschrift" zu verbreiten begann, fühlte sich Rokitansky mit seiner Wiener Anhängerschar (im folgenden Zitat als Tschechen-Clique der sogenannten "Wiener Schule" apostrophiert) offenbar bedroht.

    Virchows Assistent Ernst Haeckel beschrieb die Kontroverse anschaulich in einem Brief an seine Eltern vom 20. 2. 1856.

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