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    Pathologisches Institut

    Assistenten von Virchow in Würzburg

    Das "Leichenbuch" der Würzburger Pathologie von 1852-1861

    Bei Virchows Amtsantritt in Würzburg 1849 hatte er keine Assistentenstelle. Als Prosektor war er für die Durchführung der zahlreichen Sektionen allein verantwortlich. Die Würzburger Pathologie war also anfangs ein 1-Mann-Betrieb, ab 1852 verstärkt durch einen ohne Bezahlung arbeitenden "Privatassistenten", den einzustellen man Virchow großzügigerweise konzediert hatte.

    Immerhin fiel es dem Ordinarius nicht schwer, seine Faktultät von der Notwendigkeit einer regulären Assistentenstelle zu überzeugen. Diese begründete den Bedarf gegenüber dem Senat wie folgt, wobei der offizielle Antragstext insofern interessant ist, als er von Virchow formuliert sein dürfte und einen Überblick über die Tätigkeiten gibt, die er ohne Assistent selbst durchzuführen hatte:

    1. Die Geschäfte der pathologischen Anatomie sind in ihrer ganzen Ausdehnung nicht durch einen einzelnen auszuführen, sondern setzen zum Theil eine gleichzeitige Täthigkeit einer zweiten Person voraus; dahingehend insbesondere das Führen der Protokolle bei den Sectionen.
    2. Führung der Cataloge, Herrichtung der aufzubewahrenden Präparate, Aufsicht über richtigen Verschluß der Gläser, insbesondere den zum Zweck der Vorlesung geöffneten. Führung der Listen über den Zugang an Leichen, Präparaten etc.
    3. Assistenz des Lehrers bei Kursen u. Vorlesungen über pathologische Anatomie und Microscopie.

    Nicht zuletzt im Zusammenhang mit der Ablehnung eines Rufes nach Zürich wurde der Antrag vom Senat der Universität Würzburg bewilligt, so daß Virchow ab dem Wintersemester 1952/53 ein staatlich besoldeter Assistent zur Verfügung stand. Die Bewilligung geschah auch in Anerkennung der enormen, maßgeblich durch Virchow bewirkten Steigerung der Studentenzahlen.

    Königlich bayerischer Assistent an der pathologisch-anatomischen Anstalt zu Würzburg“ mit einem Arbeitstag von 6-19 Uhr und einem Jahresgehalt von 150 Gulden (zum Vergleich: Virchows Professorengehalt betrug bei seinem Amtsantritt 1.200 Gulden) wurde gewöhnlich ein älterer Student, und zwar i.d.R. jeweils für 1 Jahr, um möglichst vielen die Gelegenheit zum Lernen zu bieten. Die Assistentenstelle wurde öffentlich ausgeschrieben. Vorraussetzung für die Einstellung war eine Mindeststudienzeit von 5 Semestern und das Bestehen einer, aus einem theoretischen und praktischen Teil bestehenden Prüfung vor einer Kommission der medizinischen Fakultät.

    Als Assistenten arbeiteten für Virchow in Würzburg folgende drei Medizinstudenten:

    • Cand. med. Koch, Mitarbeiter Virchow ab 1952,  begann seine Assistenzdienste noch unentgeldlich als Privatassistent. In Anerkennung seiner guten Dienste über mehrere Semester hinweg bekam er nachträglich den halben Lohn seiner Nachfolger auf der offiziellen Stelle.
    • Emil Hoffmann (1827-1877), Mitarbeiter Virchows vom Sommersemester 1853 bis Sommersemester 1854, war der erste über die offizielle Ausschreibung eingestellte Assistent.
    • Friedrich Grohe (1830-1886) assistierte Virchow vom Sommersemester 1854 bis Sommersemester 1856. Aus seiner ungewöhnlichen langen Assistentenzeit - mit zwei Jahren doppelt so lange wie üblich - darf geschlossen werden, daß Virchow mit ihm sehr zufrieden gewesen sein muß. So ist es nicht verwunderlich, daß er zu den zahlreichen, später prominent gewordenen Virchow-Schülern zählt (er leitete später den Lehrstuhl für Pathologie an der Universität Greifswald).
    • Ernst Haeckel wurde im Sommersemester 1856, ein Semester vor Virchows Rückkehr nach Berlin, dessen letzter Würzburger Assistent. In seinen Briefen beschrieb Haeckel anschaulich Charakter und Tätigkeit seines Meisters.
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