Deutsch Intern
    Pathologisches Institut

    Sektionsgedicht: Brust- und Bauchsektion

    Vom Adamsapfel in der Mitte
    Am Nabel links in keckem Schnitte
    Bis zur Symphyse schneide man
    Und wend´ die ganze Schneide an.

    Vorsichtig durch des Bauches Decken,
    Um nicht dem Darme eins zu stecken;
    Dann kerbt man beide Rekti ein:
    „Er“ macht das ganz besonders fein!

    Drauf gilt´s mit ein´gen Messerzügen
    Den Brustkorb sauber frei zu kriegen,
    Wälzt man die Haut nicht tüchtig um,
    Nimmt das der Meister gerne krumm.

     Nun überblickt man schnell bei Lichte
    Des Bauch´s sonst düstere Geschichte,
    Und bringt da recht vornehmlich bei,
    Was etwa nicht in Ordnung sei.

    Man sehe, ob im kleinen Becken
    Nichts Patholog´sches zu entdecken,
    Denn tut man das erst hinterher,
    Ist oft die Diagnose schwer.

    Zumal, wenn´s gilt, den Bauch zu füllen,
    Um eines Pneumothorax willen:
    Es wird ja, ist darauf Verdacht,
    Voll Wasser ganz der Bauch gemacht.

    Das Zwerchfell sticht man an darunter,
    Und trifft sich´s, steigen Bläschen munter
    An´s Tageslicht mit viel Getös:
    Versäumt man´s, wird der Meister bös.

    Nun greift man zu dem Knorpelmesser –
    Das alte kleine ist oft besser,
    Doch breche man es ja nicht ab,
    Wozu der Staat sein Geld nicht gab!

    Die Schneid´ ist senkrecht aufzusetzen,
    Um nachher sich nicht zu verletzen.
    Setz an der zweiten Rippe an,
    Die erste kommt erst später dran.

    Mit flottem Zieh´n, ganz leichtem Drücken
    Durchtrennt in wenig Augenblicken
    Nah an dem Knorpelknochensaum
    Die Rippenknorpel man wie Schaum.

    Dem Meister wenigstens gelingt es,
    So leicht kein anderer vollbringt es;
    Wird unsereinem es zu schwer,
    Langt keck er nach der Knochenscher´.

    Darfst jederzeit nach dieser greifen,
    Die erste Rippe durchzukneifen,
    Dem Platz zu lieb nach aussen mehr
    Wird sie gezwickt von unter her.

    Jetzt ist es Zeit, daß man gedenke
    Der Brustbeinschlüsselbeingelenke:
    Senkrecht die Spitze aufgesetzt
    Im Bogen sie umstochen jetzt.

    Weiß man nicht recht, wo sie gelegen,
    Darf man die Schulter nur bewegen,
    Und alsbald wird es offenbar,
    Was eben noch sehr dunkel war.

    Nun wird das Sternum abgehoben,
    Man dreht und zieht und reißt nach oben,
    Was noch den Deckel tückisch hält,
    Dem Messer rasch zum Opfer fällt.

    Was lang in dieser Brust geborgen
    Begrüßt den späten Montagsmorgen,
    Nun offenherzig, wie noch nie!
    Rasch, liebes Freundchen, übersieh,

    Wie sich die Lungen retrahierten,
    Ob nicht die Pleuren exsudierten,
    Ob man Tuberkel nicht gewahrt,
    Wie groß, wie frei das Perikard!

    Drauf gilt es, dieses einzuschneiden
    Längs bis zur Basis, nach den Seiten
    Nach links und rechts, du weißt ja schon,
    Zum umgekehrten Ypsilon.

    Der Körperhöhlenflüssigkeiten
    Versichre man sich stets bei Zeiten.
    Mit wahrer Virtuosität
    Der Meister hier zu Werke geht.

    Kostbarer, denn aus Malz und Hopfen,
    Ist ihm ein jeder winz´ge Tropfen,
    Den er mit wohlgekrümmter Hand
    Dem toten Leibe noch entwandt.

    Dem Praktikant wird bang und bänger,
    Die Zeit den andern lang und länger:
    Dies war ja noch Introduktion,
    Jetzt kommt erst recht die Sektion.

    Es macht oft schon zu Lebenszeiten
    Ein Herz recht große Schwierigkeiten,
    Bis Klarheit man darob erreicht,
    Doch auch im Tode ist´s nicht leicht.

    Ja, wenn im Kopf sich die Ideen
    In wildem Tanz dem Menschen dreh´n,
    Wer weiß noch, was die Regel heischt?!
    Wie wird da oft ein Herz zerfleischt!

    Wie oft mußt´ solchen Jammer schauen
    Der Meister schon mit inn´rem Grauen!
    Ich fürcht´, an seinem Leben zehrt´s,
    Drum dicht´ ich schnell: Das Lied vom Herz.

     

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