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    Pathologisches Institut

    Eugen Kirch, Vorstand von 1949-1957

    • 1888: geboren in Siegen/Westfalen
    • Medizinstudium in Marburg
    • 1912: Promotion "summa cum laude"
    • 1913: Wehrdienst als Regimentsarzt in Münster
    • 1914-1928: im Würzburger Pathologieinstitut
    • 1920: Habilitation über Herzpathologie
    • 1928-46: Pathologieordinarius in Erlangen
    • 1946: Erzwungener Rücktritt wg. "Umerziehung"
    • 1948: Gründung eines privaten path. Instituts
    • 1949-57: Pathologieordinarius in Würzburg
    • 1957: Emeritierung
    • 1973: Tod im Altersheim in Regensburg

    Der Westfale Eugen Kirch (1888-1973) arbeitete in der Würzburger Pathologie insgesamt 22 Dienstjahre, aufgeteilt auf zwei Arbeitsperioden jeweils zu Beginn und gegen Ende seiner pathologischen Tätigkeit: 1914-1928 absolvierte er hier seine pathologische Ausbildung und die ersten Stufen seiner Karriere; von 1949-1957 leitete er dann das Institut bis zu seiner Emeritierung.

    Der Siegerländer Kirch studierte im benachbarten Marburg Medizin. Im Fach Pathologie lernte er schon damals seinen späteren Würzburger Chef  M.B. Schmidt näher kennen. Kirch promovierte 1912 mit einer "summa cum laude" bewerteten mikrobiologischen Dissertation. Ein Jahr vor Beginn des 1. Weltkrieges leistete er 1913 seinen einjährigen Wehrdienst ab als Regimentsarzt in der preußischen Garnisonsstadt Münster.

    Seine pathologische Ausbildung begann Kirch mit Kriegsbeginn 1914 in der Prosektur eines Armeecorps. Er setzte sie fort am Würzburger Pathologischen Institut unter Leitung von M.B. Schmidt, seinem Bekannten aus Marburger Studienjahren, der 1913 einem Ruf nach Würzburg gefolgt war. In den folgenden Jahren erlebte er die langwierigen Vorbereitungen auf den 1921 endlich stattfindenden Umzug in den Neubau des Instituts.

    Sechs Jahre nach Beginn seiner pathologischen Ausbildung habilitierte sich Kirch 1920 mit Arbeiten zur Herzpathologie. Diese sollte auch später sein bedeutsamstes Forschungsgebiet bleiben. Indem er Hypertrophie und Dilatation des Herzens unter physiologischen und pathologischen Bedingungen studierte, gewann er Erkenntnisse von bleibender Bedeutung, die unter den Begriffen "cor pulmonale" und "Sportherz" heutzutage medizinisches Allgemeinwissen sind.

    Auf Grund dieser bahnbrechenden Leistungen erhielt Kirch nach 14 Jahren in Würburg 1928 einen Ruf auf den Pathologielehrstuhl in Erlangen. Dort begann er sein Wirken mit einer programmatischen Antrittsvorlesung über das Sportherz. Auch während seiner 18 Jahre als Ordinarius in Erlangen stand das Herz im Mittelpunkt seines Interesses. So untersuchte er als erster die Herzen von Leistungssportlern, beschrieb deren physiologische Anpassung an gesteigerte Leistung und grenzte diese von pathologischen Degenerationsformen ab.

    Nach dem 2. Weltkrieg wurde Kirch 1946 im Rahmen von pauschalen Umerziehungsmaßnahmen seines akademischen Amtes enthoben. Deswegen gründete er zwei Jahre später mit einem Kollegen ein privates pathologisches Institut in Regensburg. Auch entfaltete er noch im selben Jahr erneut verschiedene Initiativen in Aus- und Fortbildung. Mitten in diesen Aktivitäten ereilte ihn 1949 ein Ruf auf den Würzburger Lehrstuhl.

    Seine Annahme konnte Kirch nicht leicht gefallen sein. Schließlich lag das Würzburger Institut am Ende des 2. Weltkrieges in Trümmern, genauso wie die meisten anderen Gebäude der altehrwürdigen Stadt. In den ersten Nachkriegsjahren hatte es Erich Müller als kommissarischer Leiter zwar geschafft, die Ruine vor dem Abbruch zu bewahren und ihre Funktionsfähigkeit als Pathologieinstitut notdürftig wieder herzustellen. Doch war dieser 1948 dankbar einem Ruf auf Kirchs alten Lehrstuhl in Erlangen gefolgt, der im Kriege glimpflicher davon gekommen war. 

    Eugen Kirch ließ sich jedoch nicht abschrecken, so beklagenswert der äußere Zustand des Gebäudes auch war, dessen Neubau und Inbetriebnahme er als junger Assistent vor ca. 30 Jahren miterlebt hatte. Tatkräftig setzte er die von E. Müller begonnene Instandsetzung des Instituts fort. Indem er für seine Ausstattung mit (regendichten) Dächern, Heizungen und Labors sorgte, kann er als sein 2. Gründer gelten.

    Die Berufung auf den ihm aus früheren Zeiten wohlbekannten Lehrstuhl seines alten Mentors M.B. Schmidt hatte natürlich einen besonderen Reiz. Bei dürftigster materieller und personeller Ausstattung musste er anfangs alle Vorlesungen und Kurse selbst halten, trotz hoher Studentenzahlen. Doch langsam besserten sich die Zustände. Nach Abschluß der Reparaturarbeiten in den unteren Etagen wurde auch das Dachgeschoß des Instituts mit der Dienstwohnung für seinen Direktor renoviert. Davon profitierten auch die übrigen Mitarbeiter anläßlich von Institutsfeten.

    Nach seiner Emeritierung 1957 kehrte Kirch in das ihm aus der Nachkriegszeit bekannte Regensburg zurück. In seinen letzten Lebensjahren litt er unter fast vollständiger Vertaubung und den Folgen eines Schlaganfalls. Vier Monate nach dem Tode seiner Frau starb Eugen Kirch am 2.4. 1973 in Alter von 85 Jahren einsam in einem Regensburger Altenpflegeheim.

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